Eine Ende des Schreckens oder ein Schrecken ohne Ende?

Ulrike Herrmann: Das Ende des Kapitalismus, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2022

Man beurteile ein Buch nicht nach dem Umschlag, denn die Autorin ist nicht Kritikerin, sondern Reformerin.

Eigentlich ist das hochaktuelle und für die derzeitige Klimadebatte beinahe unumgängliche Buch von Ulrike Herrmann sehr schnell zusammengefasst: Der Kapitalismus ist ein Prozess, der auf Wachstum beruht. Die Grenzen des Wachstums sind weitgehend erreicht und weiteres Wachstum zerstört die Lebensgrundlagen der Menschheit für Generationen oder gar für immer.

Eine Wirtschaft, die auf Wachstum verzichtet ist keine kapitalistische mehr, dies bedeutet aber nicht ein Ende der Marktfreiheit oder ein drastischer Einschnitt in die Lebensqualität der Menschen. Im Gegenteil, eine private Planwirtschaft wie Herrmann sie vorschlägt, reguliert und rationiert lediglich die knappen (treibhausgasintensiven) Güter und sorgt zugleich für eine Verteilungsgerechtigkeit, so dass vor allem einige wenige natürliche und juristische Personen sich einschränken und verzichten müssten, die ohnehin auf viel zu grossem ökologischen Fuss leben.

Es würde sich in solch einer schrumpfenden Kreislaufwirtschaft ein gemässigter Lebensstandard für alle (!) einpendeln, der sich zwar durch bestimmte Einschränkungen bei besonders klimaschädlichen Produkten und Aktivitäten auszeichnen würde, aber eben auch durch eine deutlich umweltverträglichere Gesamtwirtschaft. Dass dies möglich ist, beweist laut Herrmann die staatliche Lenkung der Wirtschaft in Grossbritannien während des Zweiten Weltkriegs, der den Unternehmen und Menschen immer noch zahlreiche Entscheidungsfreiheiten und ein ausreichend angenehmes Leben bot, doch mit einer klaren Zielsetzung: Damals war es die Verteidigung gegen einen Aggressor und heute wäre es die Bewältigung des (beschleunigten) Klimawandels.

In einer Zeit, da viele ein „grünes“ Wachstum und damit die Fortsetzung des übersteigerten kapitalistischen Rohstoffhungers statt eines besonnen Masshaltens propagieren, ist das Buch ein mutiger und durchdachter Aufruf, etwas mehr Staat zu wagen.

Das Buch beim KiWi-Verlag

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