Philipp Blom: Böse Philosophen.
Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung. Carl Hanser Verlag, München 2011.
In „Böse Philosophen“ (eigentlich „A wicked company“, was als Originaltitel dem Inhalt viel besser entspricht) beleuchtet Philipp Blom die andere, die vergessene und radikalere Seite der Aufklärung, wie sie unter anderem im Pariser Salon von Holbach gepflegt und oft unter Pseudonymen in später nicht selten verbotenen und verbrannten Werken an die Öffentlichkeit gelangte. Das Buch beginnt mit der Suche nach der Adresse zum Haus des Salons und könnte insgesamt als Rehabilitierung des Werkes und der Person Diderots oder aber genauso gut als Relativierung der Genialität Rousseaus gelesen werden. Vor allem aber zeigt der Autor, dass in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts einige Geister bereits viel offener, menschlicher und aufrichtiger dachten, als es die meisten heute wagen. Die europäische Ideengeschichte, zumindest so wie ich sie gekannt habe, wird durch diesen interessant geschriebenen Text bereichert und ergänzt, vor allem, was die Einschätzung der Bedeutsamkeit zentraler Persönlichkeiten der französischen Aufklärung betrifft. Nicht wenige Stellen lassen einen beim Lesen innehalten und nachdenken, lassen die Gegenwart aus historischer Perspektive plötzlich anders und bestimmt auch etwas klarer erscheinen. Bei mir hat dieses Buch die Lust auf mehr von Blom geweckt, und da gibt es ja einiges, was sehr vielversprechend klingt. Die deutsche Fassung enthält recht viele Druckfehler, so dass ich beim zweiten Verzehr eher die englische Ausgabe delektieren würde. Das Titelbild „Three Persons Viewing the Gladiator by Candlelight“ von Joseph Wright of Derby allerdings ist beim deutschen Taschenbuch eindeutig geschickter gewählt.