Ausgelesen am 8. Dezember 2018

Richard David Precht: Jäger, Hirten, Kritiker.

Eine Utopie für die digitale Gesellschaft, Goldmann Verlag, München 2018.

Bislang konnte mich R. D. Precht nicht so recht begeistern, bei „Jäger, Hirten, Kritiker“ ist es jedoch anders. Das Buch ist hochaktuell und behandelt Fragen, die mich auch gerade umtreiben, ausserdem merkt man, dass der populäre Denker sich hier etwas von der Seele schreiben wollte, was ja allein deshalb schon interessant ist. Prechts Abhandlung ergibt sich ausgehend von der Vorstellung des Marxismus, dass durch Arbeitsteilung und gerechte Verteilung der Produktionsmittel die Menschen entlastet werden und so auf vielseitige Art zum Wohl der Gesellschaft beitragen können: „(…) heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden.“ (Zitat aus der Deutschen Ideologie von Marx und Engels) Zu dieser Arbeitsweise nötigt heute viele von uns und in der Zukunft noch viele mehr der Kapitalismus (z.B. durch Billiglöhne, mehrere Teilzeitjobs, andauernde personelle Restrukturierungen, etc.), jedoch auf ausbeuterische Weise und letztlich zum Profit von wenigen und auf Kosten der natürlichen Ressourcen. So wird es langfristig aufgrund des technologischen Fortschritts (Automation/Digitalisierung) immer weniger Arbeit für Menschen und daher entsprechend viele Arbeitslose geben, für die in unseren Gesellschaften nicht die besten Bedingungen und Aussichten herrschen, gerade weil mit der Arbeitslosigkeit (oder in der Schweiz sogar mit der Teilzeitarbeit) ein grosses Stigma der Faulheit und Nutzlosigkeit einhergeht. Eine wie oben zitierte Lebensweise könnte aber auch wünschenswert sein und ermöglicht werden durch – Tusch und Fanfaren – das bedingungslose Grundeinkommen. Schön finde ich, dass Precht hier klarmacht, dass das BGE nicht die Lösung aller Probleme sein kann, aber ein entscheidender Schritt hin zu einer Gesellschaft, in welcher wie im Star Trek Universum gearbeitet wird, um sich (zum allgemeinen Nutzen) zu verbessern und zu verwirklichen. Natürlich ist das noch Utopie, von der Precht sich inspirieren liess und die als Konzept im Buch auch philosophisch behandelt wird, aber – und hier muss ich ein wenig spoilern – das Buch schliesst mit dem Fazit, dass bei allem guten Grund zum Pessimismus angesichts der gegenwärtigen Lage von Menschheit und Umwelt trotzdem nur ein optimistisches Mitwirken für eine bessere Zukunft sinnvoll ist, denn das Verzagen befeuert nur die aktuellen Entwicklungen und ist daher keine wirkliche Option. Das Buch ist ein ermutigendes Plädoyer für eine fortschrittliche, menschliche und naturnahe Art des Wirtschaftens und Zusammenlebens.

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